Brot von gestern

05.02.2012

Selten habe ich bei einem Buch so gelacht, wie aktuell bei “Die Welt ist nicht immer Freitag” von Horst Evers (Leseprobe). Die untere Episode kannte ich bereits aus “Der witzigste Vorleseabend der Welt” (Reinhören), sie ist außerdem enthalten in “Mein Leben als Suchmaschine” (Leseprobe).

Ich habe ja ein Faible für gute Kriminalromane. Was gut ist, liegt bekanntermaßen im Auge des Betrachters… Ich bin froh, dass ich mir die Amazon-Kritiken für “Tannöd” erst nach dem Lesen angeschaut habe, denn sonst hätten sie mir womöglich dieses großartige Buch verleidet. Ich fand es beklemmend, fesselnd und sehr intensiv, hatte das Gefühl, selbst mit den Dorfbewohnern die Gespräche zu führen und aus einem Versteck heraus die Tat zu beobachten. Fiktive Protokolle werden hier mit der Perspektive des allwissenden Erzählers abgewechselt; was anderen sperrig, wirr oder überflüssig vorkommen mag, hat mich vollkommen in die Geschichte hineingezogen. Nach dem Lesen saß ich fast ein wenig benommen da und fragte mich, wer die meiste Schuld an den schrecklichen Ereignissen auf sich geladen hatte.

Einen Minuspunkt gibt es für den Umfang – bei so kurzen Büchern hab ich immer das Gefühl, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmt. Für das Geld will ich bisschen länger unterhalten werden, und so hätte ich mir das Buch außerhalb der Grabbelkiste wohl kaum gekauft, denn die 125 Seiten, die durch Passagen aus einem Gebetbüchlein auch noch gestreckt werden, hat man wirklich schnell durch.

Besser kam “Schneewittchen muss sterben” bei den Amazon-Lesern an, ich hab mich da hingegen leidlich durchgequält und es nur zu Ende gelesen, weil mir das Buch von zwei guten Bekannten dringend ans Herz gelegt wurde. Hab’s hinterher auch nicht über mich gebracht, ihnen zu sagen, wie unglaublich mies ich es fand. Na, ich wäre die einzige, die sie kennen, der es nicht gefallen hat… pfft… das Ding ist sprachlich grauenvoll, ich habe allen Ernstes während des Lesens unbewusst die Augen verdreht. Der Plot ist nun auch nicht unbedingt ein Geniestreich, man wartet förmlich auf die nächste “unvorhergesehene” Wendung und kann sich relativ früh ausmalen, worauf das Ganze schlussendlich hinauslaufen wird. Kein Tiefgang und kein einziger Satz, der ein Zitat wert wäre.

Die Krimis der schwedischen Journalistin Ingrid Hedström hat A. zufällig bei der Suche nach Zug-Lektüre in der Bahnhofs-Buchhandlung entdeckt.

Ich weiß nicht, warum, aber der dritte Teil der Reihe wurde zuerst in Deutschland veröffentlicht, dann der zweite Teil, und nun hoffe ich, folgt im nächsten Jahr vielleicht endlich der erste Teil. Möge mir Suhrkamp bitte mal die Logik dahinter erklären? Egal, die Bände funktionieren glücklicherweise auch unabhängig voneinander. Falls spätere Leser aber die Möglichkeit haben, sie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, würde ich dies empfehlen, da sehr viele Figuren mit ihren Hintergrundgeschichten schon früher auftauchen, wie ich gerade feststellen kann (bin in der Mitte des zweiten Buches).

Mir gefallen Schreibstil und Konstruktion der Krimis ausgesprochen gut. Einziger objektiver Kritikpunkt: Es hängt unglaublich viel zusammen, bis an die Grenze des Glaubwürdigen. Ich bin da eigentlich recht empfindlich, aber hier ist es nie plump und passt zusammen. Es ist spannend zu verfolgen, wie die Verwicklungen und losen Fäden schließlich zu einem großen Ganzen werden.

Ein Mängelexemplar, bei dem man offensichtlich vergessen hat, den Buchblock zu beschneiden. Aber das hat so seinen Charme, dadurch wirkt das Buch alt und etwas zerlesen. Und das passt irgendwie ziemlich gut zu “Jonathan Strange & Mr Norrell”, ein wunderbarer Schmöker für verregnete Herbstwochenenden.

Für dieses Buch habe ich Monate gebraucht, und das ist furchtbar, weil es das nicht verdient hat. “Die Entdeckung des Himmels” ist großartig geschrieben und erzählt eine ungewöhnliche Geschichte, gespickt mit kunstvollen Wortgefechten, jeder Menge Anspielungen und Querverweisen und interessantem Hintergrund- wissen. Zu viel auf einmal, um es einfach so weglesen zu können, man muss sich schon darauf konzentrieren können. Und so blieb es meistens liegen, weil mir Zeit und Ruhe dafür fehlten. Ganz aufhören wollte ich auch nicht, weil ich es dann niemals wieder angefangen hätte und es mir trotz der Mühe, die ich damit hatte, so gut gefiel.

Wirklich gefesselt hat mich der Roman erst im letzten Teil, als die unausweichliche Suche tatsächlich beginnt und die Geschichte endlich richtig Fahrt aufnimmt. Wie enttäuscht war ich, als ich nach einem regelrechten Cliffhanger umblätterte und las: “Das reicht jetzt! Man muss auch wissen, wann man aufhören muss.” Hmpf. Also, für mein Empfinden hätte man die ersten drei Teile durchaus etwas stauchen, und dafür den vierten ein wenig ausbauen können. Das war mir zu abrupt, und überhaupt sind mir in sich abgeschlossene Geschichten lieber.

Von all den Ideen, Gedanken und Informationen, die das Buch enthält, ist mir besonders das theoretische Konstrukt eines “Historioskops” im Gedächtnis geblieben. Auf einem weit entfernten Planeten würde man nicht unsere Erde sehen, wie sie jetzt ist, sondern wie sie (der Entfernung in Lichtjahren entsprechend) früher war. Könnte man diese Lichtstrahlen gespiegelt wieder einfangen, könnte man mit dem Blick ins Weltall in die eigene Vergangenheit sehen. Ein faszinierender Gedanke.

Ich mag Walter Moers. “Der Schrecksenmeister” hat uns eine Freundin ausgeliehen, nachdem A. es schon längst aus hat, muss ich mich mal beeilen und endlich anfangen, damit wir es wieder zurückgeben können *hüstel*. Also werde ich mich gleich ein wenig gemütlich damit ins Bett verkrümeln. Übrigens juckt es mich wie wahnsinnig in den Fingern, den blöden “Bestseller”-Aufkleber abzuknibbeln… aaaah! Das werden harte Tage, bis ich das Buch durch habe *sich selbst auf die Pfoten haut*.

Büchertausch: “Die Kathedrale des Meeres” zurückgegeben (hat nur A. gelesen, mich hat’s nicht gereizt), “Die Stadt der träumenden Bücher” und “Wilde Reise durch die Nacht” ausgeliehen und dafür (nicht im Bild, weil erst nach dem Foto erhalten) “Der Schrecksenmeister” zum Lesen bekommen. Der Schwerpunkt lag  eindeutig auf Walter Moers.  (o:

Projekt 365 – 80

04.04.2011

Herrlich *gg*. Inzwischen hab ich “Die Eleganz des Igels” durch und kann insgesamt trotz Startschwierigkeiten ein positives Fazit ziehen. (Ausführlichere Besprechung evtl. demnächst.)

Projekt 365 – 53

08.03.2011

Aus: “Die Eleganz des Igels”. Das Haiku fand ich wunderbar, obwohl ich mit sowas oft gar nichts anfangen kann.

Ich hab das Buch gestern erst zu lesen begonnen und mag es bisher ganz gerne, auch wenn ich irgendwie das Gefühl habe, dass die Autorin ihr sprachliches Genie ein bisschen zu sehr feiert… Folgenden Satz musste ich zweimal lesen und ein Wort (ontologisch) sogar nachschlagen:
“Unser reflexives Bewusstsein, Zeichen unserer ontologischen Würde, ist die einzige Entität in uns, die es wert ist, dass man sie erforscht, weil sie uns vor dem biologischen Determinismus rettet.”
Man kann’s auch übertreiben… aber da A. von dem Roman so begeistert war (wenn er nur ein einziges Buch auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, wäre es dieses), werde ich es auf jeden Fall weiterlesen und mir unglaublich intelligent vorkommen, wenn ich alles verstehe.

Also, nun habe ich dieses Buch bekommen und sogar brav direkt angefangen zu lesen. Eigentlich habe ich meiner Cousine bei Büchern (bis jetzt) einen ganz guten Geschmack zugeschrieben. Das Cover (eine Handtasche mit Flügeln!) hat mich schon Böses ahnen lassen, der Kommentar auf dem Umschlag (“Die Entdeckung des Jahres: rührend, STYLISCH, turbulent, charmant”) hat es nicht wirklich besser gemacht. Aber S. zuliebe, die sich sicherlich etwas dabei gedacht hat, wollte ich dem offensichtlichen “Frauenbuch” eine Chance geben. Die erste Seite war noch witzig:

“Ich bin heute gestorben, zu meiner großen Verblüffung. Ich hatte mich allen Ernstes für unsterblich gehalten. Nicht, dass ich je besonders gut auf meine Gesundheit geachtet hätte. Obwohl ich immerhin dreimal die Woche ins Fitnessstudio gepilgert bin. Äh, okay, zweimal die Woche … Also gut, oft auch nur einmal die Woche oder gar nicht. Aber ich habe mich vernünftig ernährt und auf meine Figur geachtet (gut, vielleicht hätte ich statt der Doritos gelegentlich etwas ‘Richtiges’ zu mir nehmen sollen). An den Wochenenden habe ich gerne mal einen über den Durst getrunken. Hin und wieder auch unter der Woche. Gestern Abend zum Beispiel, und möglicherweise auch am Abend davor … Genau weiß ich es nicht mehr. Ich habe immer mindestens acht Stunden geschlafen (mit einer Schlaftablette kein Problem!). Und trotzdem kam mir nie in den Sinn, dass ich eines Tages sterben, tot sein, nicht mehr leben würde. Aber ich schätze, das geht allen so.”

Das Problem dabei ist, dass das in einer Tour in dem Stil weitergeht! Ich mag die Ich-Perspektive eh nicht so gerne, aber diese bemüht locker-lustige Art und die gedanklichen Einschübe gehen mir furchtbar auf die Nerven. Dazu kommt, dass ich mich mit der Protagonistin, die ein Faible für Mode-Hunde, teure Schuhe und die neuesten Designer-Klamotten hat, überhaupt nicht identifizieren kann. Bereits nach 10 Seiten habe ich angefangen, das Buch nur noch zu überfliegen, in der Hoffnung, dass es interessanter wird, aber ich habe bis Seite 80 noch keine Verbesserung feststellen können. Die Frage ist, was sage ich meiner Cousine, wenn sie fragt, wie mir das Buch gefallen hat? Ich kann ja kaum sagen, dass es das Schlechteste ist, was ich seit langem gelesen habe…

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