Schwierig
13.05.2012
Es ist nicht leicht, ein “rundes” Anschreiben zusammenzuklöppeln, wenn man noch nichts in dem Bereich vorzuweisen hat, aber aus jeder der nicht zusammenpassenden vorherigen Ausbildungen und Tätigkeiten Argumente für sich herausschälen kann (zumindest mit ein bisschen Fantasie *hust*). Ich muss irgendwie verhindern, dass das nach einer wahllosen Aneinanderreihung aussieht. :-/
Wie man’s auch macht…
04.05.2012
… irgendwie ist alles doof. Erst hab’ ich mich über jemanden bzw. eine Situation geärgert, mich erklärt und zaghaft beschwert (und durch meine Argumentation wahrscheinlich Mitleid ausgelöst) und wenn man es mir dann recht macht und sich entschuldigt, bin ich auch nicht zufrieden, sondern fühle mich erst richtig schlecht *seufz*. Sowas Bescheuertes. Ich reg’ mich lieber auf, als dass sich andere Leute nach mir richten, das kann ich wirklich nicht gut aushalten. Überhaupt fällt es mir immer schwer, etwas von anderen anzunehmen – sogar wenn es einfach nur Zustimmung nach erfolgreicher Überzeugungsarbeit ist. Außerdem habe ich etwas Angst, dass ich jemanden vor den Kopf gestoßen habe. Und ich schäme mich ein wenig, dass ich so über eine Person geschimpft habe (nur zuhause und in Gedanken), die jetzt unglaublich lieb zurückgerudert ist. Blöd, dass A. gerade nicht da ist und ich nicht besprechen und mich vergewissern kann, dass alles so in Ordnung ist und ich nicht übertrieben habe. Und blöd, dass ich das nötig habe *seufz*. Wenn ich mir aber durchlese, was ich gemailt habe (ich hab’ bestimmt ‘ne halbe Stunde an der richtigen Formulierung gefeilt, damit es freundlich und nicht zickig klingt, obwohl ich in Wirklichkeit ordentlich angenervt war), finde ich das treffend, alles nett und nachvollziehbar. Wichtig, weil wir morgen in der Gruppe was unternehmen und ich absolut nicht wegen Kleinigkeiten, die nur mich stören, für schlechte Stimmung sorgen wollte. Und trotzdem fühle ich mich mit der Geschichte unwohl, als hätte ich was falsch gemacht.
Heimkehren
18.03.2012
Ich habe mich heute mit zwei Freundinnen von früher getroffen, die ich seit der Grundschule und länger kenne. Bei unserem letzten Treffen hatten wir verabredet, uns im Frühjahr wiederzusehen und haben es diesmal tatsächlich eingehalten. Nun bei der anderen zuhause, die noch da wohnt, wo wir aufgewachsen sind, sogar noch im Haus ihrer Eltern. Der Flur sieht noch genau wie früher aus, als wir uns zu Spieleabenden getroffen haben, und auch auf ihrer Etage hat sich wenig verändert. Es war ein sehr angenehmer Abend, und ich fühle mich jetzt irgendwie “geerdet”. Die ersten Minuten waren noch etwas steif, das verging aber und wir konnten uns so entspannt unterhalten, als würden wir uns viel öfter sehen. Schön, dass etwas so beständig und vertraut bleibt, obwohl sich gleichzeitig so viel verändert hat.
Neuer Job, neue Probleme
12.02.2012
Mir fällt es eh schon nicht leicht, mich auf der neuen Arbeit einzuleben. Aber ein Kollege macht einen Spießrutenlauf für mich daraus. Ein dürrer Türke, schätzungsweise mein Alter. Ruft mich mit “Hey, Süße!” oder “Schatzi!” und hat mir am Freitag zum Abschied eine Kusshand zugeworfen, er scheint sich von Tag zu Tag mehr rauszunehmen. Ich hätte mir das von Anfang an deutlich verbitten müssen, aber unsicher, wie ich gerade in den ersten Tagen war, hab ich mich nicht getraut und weiß auch jetzt nicht, wie ich den Mut dazu aufbringen soll. Wenn nicht so viele andere Leute immer in der Nähe wären und zuhören könnten, würde mir das vielleicht leichter fallen. Aber so… versuche ich hauptsächlich, es zu ignorieren bzw. nicht drauf einzugehen und ansonsten normal mit ihm zu reden. Denn das geht tatsächlich, und er ist auch hilfsbereit und ganz freundlich bis auf diesen Scheiß, und ich will mir die Zusammenarbeit nicht durch Ärger erschweren.
Ständig geht mir die Geschichte im Kopf rum, in Gedanken habe ich ihm schon tausendmal die Meinung gesagt, mir argumentativ was zurechtgelegt à la “Stell dir vor, jemand würde so mit deiner Frau/Schwester reden…” oder, eher unsachlich, ob ich mir ein Kopftuch umbinden muss, damit er mir mit mehr Respekt begegnet, aber praktisch kriege ich das nicht hin. Das “Schatzi” ist nicht nett gemeint, wie man unter Kollegen manchmal so spricht, sondern eindeutig abwertend und absolut unangebracht. Ich habe zufällig mal mitbekommen, wie er jemand anderem gegenüber von “Frischfleisch” sprach, was für ein Arschloch.
Mich macht das so verdammt wütend. Auf den Typen, weil er sich nicht benehmen kann, und noch mehr auf mich, weil ich schön in die Mäuschen-Opfer-Rolle gerutscht bin, mir davon den Schlaf rauben lasse und es nicht auf die Reihe kriege, aus der Sache mit Würde rauszukommen.
Mea culpa… ?
26.01.2012
Wenn was schief läuft, an dem ich beteiligt bin, gebe ich mir fast automatisch die Schuld daran. Jetzt ist wieder so ein Fall. Letzte Woche Dienstag war “Infoveranstaltung” beim neuen Arbeitgeber, der wollte alle ab dem Folgetag zum Praktikum auf der Matte haben. Meinen Praktikumsvertrag durfte ich auf diese Woche Montag umdatieren, weil ich letzte Woche noch Resturlaub hatte. Uhrzeit je nach persönlichem Wunsch, bei mir in den Abendstunden. Gut, Samstagabend bin ich krank geworden und hab den Sonntag komplett mit Fieber und gemeiner Übelkeit im Bett verbracht. Am Montag dachte ich erst noch, ich könne mich später hinschleppen (ich hasse es, mich krankzumelden) und hab erst nachmittags meinen alten Chef angerufen, dass ich gleich zum Arzt gehe und mich für den Tag leider abmelden muss und ihn gebeten, das mit der Praktikumsstelle zu klären. Nach dem Arztbesuch hab ich ihm eine Mail mit der Info geschickt, dass ich bis einschließlich Mittwoch krankgeschrieben bin, davon ausgehe, dass ich am Donnerstag wieder arbeiten kann und mich ansonsten nochmal melde. Seine Antwort war, dass er das dem neuen Arbeitgeber mitteilt.
War es denn falsch, davon auszugehen, dass ich dann statt Montag halt am Donnerstag zum Praktikum gehe? Ist nicht klar, dass ich am Donnerstag komme, wenn ich mich bis Mittwoch krankmelde? Es war nämlich leider keiner da, der wusste, das ich kommen würde. Oder der überhaupt meinen Namen auf ‘ner Liste hatte. Und so hat man mich kurzerhand wieder nach Hause geschickt. Ich kam mir reichlich doof vor. Der Typ, der da anscheinend sowas wie Schichtleiter ist, hat mich nicht mal angeguckt und mit den anderen über mich geredet, als wäre ich gar nicht im Raum. Wenn der sonst auch so toll im Mitarbeiterumgang ist, hab ich ja schon was, auf das ich mich freuen kann. Für den mach ich mal die Idioten-Schublade auf. Besonders helle sah er wirklich nicht aus… Jetzt darf ich morgen in der Personalabteilung anrufen und versuchen, das zu klären. Die Leute sind zwar nett, aber erstens hasse ich Telefonieren, und zweiten habe ich Angst vor Vorwürfen, warum ich nicht Bescheid gesagt bzw. abgesprochen habe, wann ich komme. Allerdings haben die meine Handy-Nummer, also hätten die sich auch genauso bei mir melden können, wenn was nicht klappt. Eigentlich denke ich, der Fehler liegt eher auf ihrer Seite (verzeihlich, da dort im Moment wahnsinnig viel zu koordinieren ist), und trotzdem bleibt das Gefühl, dass ich was falsch gemacht habe.
Rein theoretisch hätte nach der Abfuhr wahrscheinlich versuchen müssen, meinen alten Chef zu erreichen. Da hätte aber die Möglichkeit bestanden, dass er mich zur alten Firma zitiert hätte, um mit dem Rest der Truppe die Zeit abzusitzen. Weil die ja noch mein Gehalt bezahlen. Andererseits hab ich einen Praktikumsvertrag für die neue Firma, wo mich heute keiner wollte. Keine Ahnung. Da die Kommunikation zwischen alter und neuer Firma aber anscheinend fürn Ar*** ist, wird das wohl kaum auffallen. Hoffe ich mal.
Es nervt mich tierisch, dass mir solche Nichtigkeiten derartiges Kopfzerbrechen bereiten und dass ich das aushalten muss, bis ich es morgen auflösen kann. Schlimmer ist jedoch, dass mir gerade wieder auffällt, dass ich an mich selbst immer wieder viel strengere Maßstäbe lege, als an andere.
EDIT: Ich habe gerade telefoniert. Es hat ihnen keiner Bescheid gegeben, wie lange ich krank bin. Toll. Den impliziten Vorwurf (“normalerweise meldet man sich noch mal”)konnte ich glücklicherweise entkräften. Jetzt muss ich es noch schaffen, die Geschichte auch in meinem Kopf abzuhaken.
Die wilden 60er
20.01.2012
Ich sitze gerade über alten Fotos meiner Eltern, um ein paar schöne für den Geburtstag meiner Mutter rauszusuchen. Und ich glaube, ich habe soeben herausgefunden, warum bei älteren Leuten Socken in Sandalen so verbreitet sind – das war mal modern!
Hier ist der Bildbeweis aus dem Jahr 1969:
Herrlich, oder? Und so schön farblich abgestimmt mit den roten Strümpfen in den roten Sandalen und den weißen Strümpfen in den weißen Sandalen *g*.
Lang ist’s her. Über 40 Jahre sind sie inzwischen zusammen. Über zwei Drittel ihres Lebens. Ich bin mir nicht immer sicher, ob sie damit glücklich sind, darüber habe ich nie mit ihnen gesprochen. Manchmal sind sie zärtlich miteinander , öfter aber frotzelig, mit fließendem Übergang zum empfindlichen Seitenhieb. Wir werden anders sein, wenn wir dereinst zusammen alt geworden sind. Zwar sicher auch frotzelig, aber insgesamt liebe- und respektvoller im Umgang. Da bin ich mir sicher, und nach meiner bisherigen Erfahrung kann ich das auch guten Gewissens behaupten ;-).
Warten
17.01.2012
Nächste Woche soll ein Praktikum in der neuen Firma beginnen, bevor im Februar die Stellen angetreten werden können. Heute bekamen wir eine Einweisung samt Rundführung und Filchen zur Arbeitssicherheit. Ich bin so unglaublich froh, dass ich bis dahin noch Urlaub habe! Ansonsten hätte ich zu meiner alten Arbeitszeit antanzen und die Stunden stoisch absitzen müssen. Die Geschäftsführung ist tatsächlich so missgünstig und zwingt die Leute zum Däumchendrehen am Arbeitsplatz, weil wirklich inzwischen rein gar nichts mehr zu tun ist. Damit habe ich nicht gerechnet… und geholfen ist so auch niemandem. Ehrlich gesagt, war ich so naiv zu glauben, man dürfte einfach zuhause bleiben, wenn die Aufräumarbeiten erledigt sind und keine weiteren Tätigkeiten anstehen.
Das Praktikum ist natürlich freiwillig, bis Ende des Monats werde ich eh noch bezahlt. Aber die Alternative ist vollkommen reizlos. Lieber rackere ich mich vier Stunden ab, als in der alten Firma dumm rumzusitzen und die Sekunden bis zum Feierabend zu zählen. Die letzten beiden Monate waren in dieser Hinsicht schon anstrengend – bloß nicht zu schnell arbeiten, nochmal kontrollieren, alles besonders ordentlich erledigen – das hat mich fast mehr gestresst, als die Zeiten, in denen viel zu viel zu tun war und Überstunden am laufenden Band geschoben werden mussten. Zumindest bis feststand, dass Minusstunden mit dem neuen Vertrag verfallen werden und so zumindest nicht mehr zwingend die Notwendigkeit besteht, möglichst nah an die Regelarbeitszeit ranzukommen. Teilweise war ich nach einer gemächlichen halben Stunde bereits mit meinen Aufgaben durch und musste über eine Stunde auf Nachschub warten. Ich hatte mir zwar ein Buch eingepackt, trotzdem konnte ich das Gefühl nicht abschütteln, meine Zeit zu verschwenden. Warten. Ich hasse Warten. Und so freue ich mich auch fast darauf, endlich anfangen zu können und darauf nicht mehr warten zu müssen. Nicht mehr überlegen zu müssen, wie der neue Job wird, ob ich mich zurechtfinde, mit der körperlichen Belastung fertig werde usw. usf.
Außerdem fehlt mir eine feste Aufgabe. Meinen “Urlaub” kann ich gar nicht genießen, weil A. so viel um die Ohren hat mit Job, Studium und Prüfungsvorbereitung. Ich kümmere mich hausfrauenmäßig um Wäsche und Essen und schlage ansonsten (mit latent schlechtem Gewissen) viel Zeit einfach nur tot. Dabei könnte ich soviel tun… aber, ach, die Motivation hat sich leider noch immer nicht wieder eingestellt und Kopfschmerzen tun ihr Übriges.
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05.01.2012
Ich ziehe einen Schlussstrich unter die Sache mit den nicht gezahlten Zuschlägen. Ich würde das Geld gerne einstreichen, könnte es weiß Gott auch gut brauchen, aber das wäre ein Kraftakt, der mir im Moment zu groß ist. Meine Nerven machen das nicht mit, ich habe auch ohne das Problem, wie die Klage anzugehen wäre, wo ich die Belege herbekomme und wer mir helfen kann, keine ruhige Minute mir mir selbst. Kopfkarussell vom Feinsten, dabei habe ich jetzt noch Resturlaub (nein, der wird doch nicht ausgezahlt, sondern muss genommen werden) und Zeit, mal abzuschalten, aber es will mir nicht gelingen. Ich könnte nicht sagen, wann ich das letzte Mal wirklich gelöst und entspannt war – die paar Minuten zwischendurch in der Sauna oder während des Kinos zählen da nicht, weil viel zu kurz. Müde, schlaflos, gereizt, frustriert, lustlos, deprimiert. In den besten Stunden “nur” angespannt, in den schlimmsten zutiefst verzweifelt. Ein wenig hat es geholfen, dass ich mir erlaubt habe, die Klage in den Wind zu schießen, aber nicht so viel, wie ich gehofft hatte. Ich sehe nur Baustellen, nur Dinge, die noch erledigt werden müssen, nur Schwierigkeiten und Hürden. Ich denke, es könnte mir gut tun, in der Wohnung mal aufzuräumen, etwas auszumisten. Denn nicht nur in mir herrscht das Chaos, auch um mich herum ist in den letzten Tagen und Wochen (und je nachdem, welchen Schrank man aufmacht, sehr viel länger) einiges liegengeblieben.
Stand der Dinge
19.12.2011
Mit einem Wort: katastrophal.
Die inkompetente Tante aus der Buchhaltung hat mir für die Monate, in denen mir zuviel Geld ausgezahlt wurde, aus irgendeinem Grund den jeweils doppelten Betrag (!!!) abgezogen und bei meiner Nachfrage nicht kapiert, wo das Problem liegt. Ich dachte schon, ich werd’ bekloppt. Zum Glück hatte ich ein Mitglied des Beitreibsrates dabei, das auch gesehen hat, dass da was vollkommen falsch berechnet wurde. Sie schaut sich das jetzt nochmal an… na danke auch. Und dafür hab ich den Fehler gemeldet, ich könnte mir echt in den Hintern beißen. Das Geld hätte ich wahrscheinlich prima behalten können, ohne dass es aufgefallen wäre.
Die nicht gezahlten Zuschläge für Nachtarbeit muss jeder selbst einklagen. Und laut Betriebsrat liegt die Beweislast bei mir, d.h. ich müsste im Archiv 36 Ordner durchwühlen und mir eine Kopie von jedem Stundenbeleg jedes einzelnen Arbeitstages der letzten fast drei Jahre machen. Ich seh das im Moment nicht, muss ich sagen. Klagen könnte ich aus finanziellen Gründen eh nicht sofort, dafür müsste ich erst in die Gewerkschaft eintreten und dann drei Monate warten, bis der Rechtsschutz greift.
So, und dann habe ich heute noch mein “Ersatzarbeitsplatzangebot” bekommen. Ich bin… tja, enttäuscht, verärgert, frustriert… keine Ahnung. Die Tätigkeit schließt das Heben von ca. 30 kg schweren Paketen nicht aus, das wäre mehr als die Hälfte meines eigenen Körpergewichts. Ich habe gerade testweise mal einen Wäschekorb mit allen Flaschen befüllt, die wir so da hatten (29 kg) und kann mir nach kurzem Anheben nicht vorstellen, etwas in der Gewichtsklasse hochzuwuchten. Wie kann der Betriebsrat so ein Angebot als “zumutbar” bezeichnen? Dafür wäre mein Arbeitsweg kürzer als jetzt, aber ich hab keine Lust, mich kaputt zu machen. Wenn man sich Richtlinien (die natürlich nicht verbindlich sind) zum Arbeitsschutz ansieht, wird für Frauen 15 kg als obere Grenze empfohlen. Mir kommen schon 10 kg schwer vor, das geht aber noch, so lange es keine Dauerbelastung ist. Bis Ende des Jahres muss ich mich entscheiden, ob ich das Angebot annehmen will. Ich versuche es einzurichten, nächste Woche in dem Betrieb mal zur Probe zu arbeiten, aber es ist noch unsicher, ob das klappt. Vielleicht soll man die schweren Sachen auch zu zweit heben, mal sehen. Dem Angebot dieses unbefristeten, tarifgebundenen Arbeitsplatzes steht übrigens eine klitzekleine Abfindung gegenüber. Meine Tendenz (bevor ich von dem schweren Heben wusste und von einer anderen Tätigkeit ausging) war, die Stelle auf jeden Fall erstmal anzutreten, dann was Neues zu suchen und innerhalb der gesetzten Frist von drei Monaten eine verringerte Abfindung mitzunehmen. Aber jetzt?
Es hätte alles anders laufen können und sollen, ich bin bei den ganzen Sorgen und Problemen gerade super in Selbstkasteiung, weil ich es nicht geschafft habe, was aus meinem Studium zu machen und jetzt mit so einem Mist dasitze. Hoffnung, Mut und Motivation gehen mir vollkommen ab, da sind nur tiefe Müdigkeit und sinnlose Selbstvorwürfe.
Angstsekunden
13.12.2011
A. hat mir gestern den Schreck meines Lebens verpasst. Ich stehe immer noch recht stark unter dem Eindruck des Erlebten und meiner Gefühle, dabei ist im Endeffekt alles glimpflich ausgegangen.
Wir waren beim Hautarzt, die Ärztin hat A. eine verhärtete und entzündete Stelle am Hals geöffnet und ausgeschabt, was wohl enorm schmerzhaft für ihn war – anscheinend an der Grenze des Aushaltbaren. Das hatte er trotzdem soweit gut überstanden und wir wollten gerade gehen, als er auf einmal bewusstlos zusammengebrochen und mit dem Kopf furchtbar hart auf den Fliesen aufgeschlagen ist. Dieser Moment, dieser Knall und die grausame kalte Angst stecken mir noch in den Knochen. Ein paar Sekunden lang war er vollkommen weggetreten. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie unglaublich erleichtert ich war, als er die Augen wieder geöffnet hat.
Ich habe eindeutig zu viel Domian während meiner Nachtschichten im Radio gehört. Mir gingen Geschichten durch den Kopf, bei denen ansonsten vollkommen gesunde Menschen plötzlich tot vom Sofa gefallen sind. Hirnaneurysma, davon hört man immer wieder. Oder ein unentdeckter Herzfehler. Für die kurze Zeit, in der er nicht mehr reagiert hat, habe ich wirklich mit dem Schlimmsten gerechnet. A. vermutet, dass es am starken Schmerz und dem leichten Blutverlust lag, den er wohl doch nicht so gut weggesteckt hat, wie er dachte. Ich stand selbst auch schon mal nach mehreren Röhrchen Blut, die mir abgenommen wurden, kurz vor der Ohnmacht. Aber anders als er konnte ich das noch artikulieren und mich rechtzeitig hinlegen, als mir langsam schwarz vor den Augen zu werden begann. Er ist von jetzt auf gleich einfach umgefallen.
Heute hat er ein blaues Auge, eine riesige Beule und heftige Kopfschmerzen. Wir wurden vom Hautarzt zum Orthopäden nebenan geschickt, der seinen lädierten Kopf sicherheitshalber abgetastet und ihn vorerst zwei Tage krankgeschrieben hat.
Gestern abend habe ich mich vor dem Schlafengehen an seiner Whisky-Sammlung bedient, obwohl ich das Zeug und starken Alkohol generell überhaupt nicht mag. Aber das war eine Situation, in der ich ein bisschen Betäubungsmittel für vertretbar hielt.



